Jeder dritte Schweizer leidet kurz- oder langfristig unter Schlafstörungen. Sollte uns diese Zahl beunruhigen?

Dr. med. Jürg Schwander: Es sind nicht mehr Betroffene, in den letzten Jahren wurden wir lediglich aufmerksamer auf das Thema. Beunruhigen muss uns diese Zahl nicht, denn die meisten Schlafstörungen sind vorübergehend und müssen nicht behandelt werden. Unser Schlaf wird schnell von äusseren Einflüssen wie Stress oder Druck gestört. Wir können davon ausgehen, dass Schlafstörungen in unserer Gesellschaft immer vorhanden sein werden.

In welchen Teilen der Welt leiden besonders viele Menschen unter Schlafstörungen und warum?

In nordwestlichen Ländern, wie der Schweiz, wo man wirtschaftlich gut gestellt ist und hoher Leistungsdruck vorherrscht. Dieser Druck begleitet uns bis ins Schlafzimmer und bereitet uns Mühe, entspannt einzuschlafen. Perfektionisten leiden häufiger unter Schlafstörungen, da sie alles kontrollieren wollen und so ihre eigene Entspannung stören. Bei Naturvölkern kennt man kaum Schlafstörungen. Das hängt auch damit zusammen, dass sie weder künstliches Licht noch verkehrsbedingten Lärm kennen.

Wie definieren Sie «Schlafstörung»?

Wenn der Schlaf nicht funktioniert, wenn er nicht erholsam ist. Es gibt verschiedene Kategorien von Schlafstörungen. Meistens spricht man von einer zu behandelnden Störung, wenn sie länger als drei Monate andauert oder mindestens vier Tage die Woche auftritt. Dann handelt es sich um eine chronische Schlafstörung, die behandelt werden muss. Es kann auch sein, dass man durch äussere Umstände drei Monate oder länger nicht gut schlafen kann, sich die Situation dann von allein entspannt.

Unter welchen Umständen kann eine Schlafstörung gefährlich werden?

Es gibt eine sehr seltene Form der Schlafstörung: Sie wird durch eine Veränderung des Hirns verursacht und führt dazu, dass man überhaupt nicht mehr schlafen kann, was schliesslich zum Tod führt. Es kann im Schlaf auch zu Atemaussetzern kommen, dann ist von Schlafapnoe die Rede, bei der Herz-Kreislauf-Probleme oder Herzrhythmusstörungen die Folge sein können.

Welche Tipps für einen ruhigen Schlaf haben Sie?

Am wichtigsten ist es, dem Schlaf zu vertrauen. Wir müssen uns ins Bett legen und darauf vertrauen, dass er kommt. Dann sollte man kurz vor der Schlafphase keinen Sport treiben, weil Sport den Körper zu sehr anregt und dessen Temperatur steigen lässt. Ausserdem sollten wir immer dann schlafen, wenn unser Schlaf-Wach-Rhythmus das Schlafen am besten erlaubt.

                                                                                                                                                                      Joëlle Weil